Wir feiern zu Weihnachten die Geburt Jesu. Immer mehr Menschen feiern jedoch Weihnachten, als gäbe es kein Weihnachten. Bei allem geschäftigen Treiben um Geschenke, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkten und stimmungsvollem Weihnachtsglanz sucht man das Jesuskind mit Maria und Joseph, dazu die Hirten und Engel aus der Weihnachtsgeschichte vergeblich. Sie kommen schlichtweg nicht vor.
Dabei ist mit der Geburt Jesu eine Zeitenwende vollzogen. Bei der Zeitangabe sprechen wir von vor oder nach Christi Geburt. Wir sprechen vom größten Wunder der Welt, das damals im Stall von Bethlehem geschah: Gott wird in Jesus Mensch! Und das aus unendlicher Liebe zu uns Menschen, um uns nahe zu sein und uns zu erlösen von der Macht des Todes, des Leides und der Schuld, die jeden Einzelnen von uns existentiell bedroht. Wer ist Jesus? Nicht ein Prophet, sittliches Vorbild, Religionsstifter oder außerordentlicher Mitmensch. In Christus hat sich Gott zu erkennen gegeben.
In diesem Jahr feiern wir das 1.7oo. Jubiläum des Nizänischen Glaubensbekenntnisses, das im Jahre 325 in Nicäa (heute Iznik -Türkei) auf dem 1. Ökumenischen Konzil von 318 Bischöfen weltweit einstimmig beschlossen wurde. Das Nizänische Glaubensbekenntnis ist das einzige, das von allen Christen weltweit gesprochen wird. Dort wird der Glaube an Jesus Christus, die Bedeutung seiner Lebens und Wirkens folgendermaßen beschrieben:
„Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“
Mit diesem Bekenntnis stimmen wir ein in das größte Wunder: Gott ist zu unserem Heil in Jesus Mensch geworden. Von der Krippe geht sein Weg ans Kreuz. Gott macht sich unsere Vergänglichkeit und Sünde zu seiner Sache In Jesus trägt er am Kreuz unsere Schuld, stirbt unseren Tod und gibt uns Teil an seiner Auferstehung. Mit Gottes Sohn verbinden wir die Gottheit Jesu.
Wenn wir in diesem Glauben Weihnachten feiern, können wir nur jubeln, danken und anbeten.
„Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still, er betet an und er ermisst, dass Gottes Lieb unendlich ist.“ (EG 42,3)
„Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland nicht versagen: dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.“ (EG 37,9)
Pastor Ulrich Rüß