Auszug Artikel 4

QUO VADIS EUROPA?

Eindrücke vom VIII. Ökumenischen Bekenntniskongress der IKBG in Hofgeismar

von Ulrich Rüß, Präsident der IKBG/ICN

Ich werde kurz einige Impressionen von unserem VIII. Ökumenischen Bekenntniskongress vom 4.-6. Oktober 2019 in Hofgeismar wiedergeben. Das Thema: „Quo vadis Europa? – Europa als Herausforderung für die Christen“

Etwa 100 Tagungsteilnehmer unterschiedlicher Altersstufen hatten sich in der Ev. Tagungsstätte von Hofgeismar eingefunden, um sich der Frage nach der Zukunft Europas und der Aufgabe und Perspektive der Christen zu stellen. Eine Dichte von Vorträgen kompetenter Referenten, Gesprächskreise und Diskussionen brachte die Vielfalt der Aspekte des Themas zum Tragen und zeigte gleichzeitig die Komplexität der daraus zu schließenden Konsequenzen für die Kirchen und den einzelnen Christen. Was können wir tun?

Der Kongress begann mit einer traurigen Überraschung: Unser Vorsitzender der theologischen Kommission, Dr. Werner Neuer, lag schwerkrank im Krankenhaus und konnte daher nicht teilnehmen, auch nicht den einführenden Vortrag zum Kongressthema halten. Das hat alle betrübt. Heute loben wir Gott, dass er die lebensgefährliche Krankheit einem Wunder gleich überstanden hat. Wir empfanden es als Geschenk des Himmels, dass Prof. Dr. Harald Seubert so kurzfristig bereit war, den einführenden Vortrag zum Kongressthema zu übernehmen, engagiert, leidenschaftlich und wegweisend.

Schon hier sei gesagt, dass mein Bericht den Ausführungen der Referenten nicht gerecht werden kann. Man sehe mir nach, wenn meine Ausführungen sich auf ein Fragment beschränken. Der Vortrag von Bischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer aus Regensburg zum Thema „Das Christentum als Seele des Abendlandes“ betonte die zwischen den Konfessionen gemeinsame Grundlage von Ethik und Glauben, die es unbedingt in aller Zukunft zu bewahren gelte. Ohne das Christentum verliert Europa seine Seele. Allen Teilnehmern war es eine Freude, das fundamental Gemeinsame und Verbindende zwischen den Konfessionen zu vernehmen, trinitarisch-christozentrische Bekenntnisökumene zu erleben.
Dieser Eindruck verdichtete sich noch bei den Vorträgen des koptischen Bischofs Damian,  des syrisch-orthodoxen Aydin und der syrisch-orthodoxen Sr. Hartune. Bischof Aydin und Sr. Hartune betonten eindrucksvoll Christus als die Mitte des Glaubens und warnten eindrücklich nicht nur vor den Islamisten, sondern vor dem Islam schlechthin als Gefährdung der Christenheit. Bischof Aydin berichtete in diesem Zusammenhang von einem brutalen, gewalttätigen  Überfall von fanatischen Moslems auf seine Person, von Attacken auf Christen in Syrien. Einmal mehr wurde uns bewusst, dass im Martyrium Konfessionsgrenzen weichen und nur die Mitte des Glaubens zählt. Bekenntnisökumene in seiner dichtesten Ausprägung!

Kaum einer hat die gefährdete Lage Europas so dicht beschrieben, wie Pfarrer Hansjürg Stückelberger aus der Schweiz. Sein verlesener Vortrag zum Thema „Aufstieg und Niedergang Europas“ brachte das deutlich zum Ausdruck. Prof. Dr. Manfred Spieker beschrieb in seinem Vortrag „Die Zukunft Europas angesichts der Kultur des Todes“ die Bedrohung menschlichen Lebens vom ungeborenen Leben bis zur aktiven Sterbehilfe (Recht auf Abtreibung, selbstbestimmtes Sterben) Hier sind wir Christen besonders herausgefordert als Aktivisten für das Leben.

Wer an die Zukunft Europas denkt und die zu erwartenden Entwicklungen, muss sich Gedanken machen zur Frage: Wie gehen wir mit dem Islam um? Ulrich Parzany verwies in seinem Kurzreferat auf die Notwendigkeit der Evangelisation hin. Christen seien in der Minderheit, aber als solche berufen zur Evangelisation. Dr. Carsten Polanz referierte über „Der Islam als missionarische Herausforderung“. Dabei betonte er, man solle nicht in jedem Moslem einen Islamisten sehen. Wenn sich nun Europa so weit weg von den Grundlagen des Glaubens bewegt, ist das eine Herausforderung an die Einheit der Christen. Einigkeit macht stark und hilft aus der Vereinzelung. Das betonte auch  der Referent Gerhard Pross („Miteinander für Europa“), als er zum Thema sprach „Europa als Herausforderung für die Einheit der Christen“.

Prof. Dr. von Wachter aus Liechtenstein ermutigte in seinem lebendigen Vortrag zum Thema „Freiheit-Christentum-Europa“, die Freiheit zu nutzen und als Christ Flagge zu zeigen, z. B. mit der Gründung von Bekenntnisschulen, nicht so verzagt und kleinmütig zu sein, auch wenn man in der Minderheit lebt.

Einen besonderen Akzent legte das Konzert eines russisch-orthodoxen Chores. Sein Repertoire war zweigeteilt. Musik aus Psalmen und russisch-orthodoxer Liturgie einerseits und russischer Volksmusik andererseits. Nach den vielen geistreichen Vorträgen eine willkommene Bereicherung und Abwechslung.

Ein wesentlicher Höhepunkt unsere VIII. Ökumenischen Bekenntniskongresses war die Feier der Lutherischen Messe am Sonntag mit der Predigt von Erzbischof Vanags aus Riga (Lettland). In Wort und Sakrament begegneten die Tagungsteilnehmer dem Auferstandenen.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit einzelnen Referenten zum Kongressthema fasste noch einmal alles Gehörte zusammen.

Ein Resümee : Die Räumlichkeiten und die Unterkunft in der Ev. Tagungsstätte waren hervorragend, ebenso die Beköstigung. Alle Tagungsteilnehmer, die ich sprach, waren voll des Lobs und dankten für alles, was sie erlebt und gehört haben, waren beeindruckt von dem Niveau und den Referenten des Kongresses. Man fühlte sich besser informiert, orientiert und gestärkt. Für mich war die gute Gemeinschaft der Tagungsteilnehmer untereinander signifikant.

Es wurde deutlich: Die schonungslose Analyse von Gegenwart und Zukunft Europas macht Sorge, aber gerade deswegen sind wir Christen besonders herausgefordert, auch als Minderheit treu und hoffnungsvoll den Glauben zu leben in Wort, Gebet und Tat. Europa braucht uns Christen! Dankbar können wir zurückblicken auf einen erfolgreichen VIII. Ökumenischen Bekenntniskongress unter Gottes Segen.

Ulrich Rüß, Präsident der IKBG/ICN


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