Auszug Artikel 1


„BIBLISCHE BESINNUNG”

„Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!“ Apostelgeschichte 16,9

von Pastor Ulrich Rüß

Es ist immer interessant zu erfahren, wie jemand zum christlichen Glauben gekommen ist. Jeder von uns könnte berichten. Wenn wir aber genauer nach dem Ursprung unseres Glaubens fragten, müssten wir auf den Apostel Paulus und sein Nachterlebnis verweisen. Ihm erscheint ein Mann aus Mazedonien mit dem Aufruf „Komm herüber und hilf uns!“ Paulus erkennt in diesem Hilferuf die Berufung Gottes, den Mazedoniern das Evangelium zu predigen. Eine Zäsur! Gott will das Evangelium, den christlichen Glauben auch für Europa, nicht nur für Kleinasien. Einmal mehr gilt: Mission ist zuallererst Gottes Sache! Und – wichtig! Es geht bei der Christianisierung und Mission um Hilfe, um Rettung eines Kontinents, um Hilfe und Rettung von vielen, vielen Menschen. Diese Hilfe und Rettung steht und fällt mit dem, was Jesus Christus mit seinem Leben, seiner Kreuzigung und Auferstehung bewirkt hat: Rettung von „Sünde, Tod und Teufel“, Befreiung durch Liebe und Gnade Gottes. Wir kennen das SOS von der Rettung aus Seenot, save our souls! Im Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen geht es um den umfassenden Rettungsdienst Gottes.

Paulus lässt sich von Gott als Missionar in den Dienst nehmen. Das Evangelium erreicht Europa. Die erste Station: Philippi. Lydia, die ortsansässige Purpurhändlerin, nach heutigem Maßstab Inhaberin einer Nobelboutique, hört das Zeugnis von Paulus. Von ihr heißt es „der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde.“ Noch einmal: Mission ist zuallererst Gottes Sache. Lydia lässt sich mit ihrem Hause, ihrer Familie und den Bediensteten taufen. Lydia, die erste europäische Christin! Das Evangelium tritt seinen Siegeszug in Europa an. Zunächst auch unter Verfolgung und Folter. Paulus und sein Missionsgefährte Silas werden in Philippi wegen ihres Glaubens gefoltert und anschließend ins Gefängnis geworfen und gefesselt. Es geschieht ein Wunder: ein Erdbeben bringt die Grundmauern des Gefängnisses ins Wanken, der Gefängnisaufseher will sich umbringen, weil er glaubte, Paulus und Silas würden die Chance zur Flucht nutzen. Zitternd fällt er Paulus und Silas zu Füßen und Spricht: Was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Antwort: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ Auch hier wird deutlich, was die Hilfe für Europa bedeutet: Glaube an den Herrn Jesus.

Wenn wir dann später vom christlichen Abendland sprechen, dann liegen hier die Wurzeln, im Glauben an den Herrn Jesus. Dieser Glaube ist die Wurzel christlicher Frömmigkeit, ist die Grundlage von Menschenrechten,und Freiheit, hat die Natur entdämonisiert ,Kunst, Architektur, Musik und Lebensgewohnheiten einschließlich Feiertagskultur geprägt und wesentlich europäische Rechtsprechung beeinflusst. Die großen Fortschritte in der Naturwissenschaft, das humane Menschenbild wären ohne den christlichen Glauben nicht denkbar.

Inzwischen erleben wir eine zunehmende Abkehr Europas von seinen christlichen Wurzeln. Der christliche Glaube wird nicht als das Europa einigende Band gesehen, sondern die Wirtschaft, die Finanzen und ein vager Bezug auf gemeinsame Werte, wobei bezeichnenderweise der Gottesbezug in der Europäischen Verfassung unerwünscht ist., Gott bei den Werten ausgeklammert wird, als Verantwortungsgegenüber wegfällt. Die Entchristianisierung wird teilweise beschleunigt durch den Säkularisierungsprozesses auch in der Kirche. Politisierung statt Evangelisierung, Infragestellung grundlegender Glaubensfragen -der Kirche scheint der Glauben weitgehend abhandengekommen zu sein. Der Kirche laufen die Gemeindeglieder davon. Man tröstet sich mit demografischen Prozessen. Der Islam steht vor der Tür, hat schon deutlich Einlass und Einfluss gefunden. Wer die Gefahren einer Islamisierung aufzeigt, gilt als intolerant und islamophob, also krank. Gott will die Hilfe für Europa. Europa will aber diese Hilfe nicht? Wir werden als Christen in Europa künftig eine Minderheit sein. Das soll uns aber nicht entmutigen, zumal wir wissen, welchen Einfluss engagierte Minderheiten haben können. Das Rettungs- und Hilfsangebot Gottes steht. Es ist unsere Aufgabe, auch als Minderheit in einer in den Grundfesten unsicheren und turbulenten und gottloser werdenden Welt, dieses Rettungs- und Hilfsangebot durch Jesus Christus dennoch freudig zu leben und zu bezeugen.

So gesehen braucht Europa uns, und zwar dringend!

Pastor Ulrich Rüß

 


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